Einsatz Mai 2026
Die Vorbereitungen beginnen
Final Blog vom Freitag 29. Mai 2026
Final Blog vom 29.5.2026
Wir ihr alle sicher gesehen und gelesen habt, war es wieder einmal ein unglaublich spannender Einsatz mit allen Facetten. Auf und ab’s wie sie zum Leben gehören.
Am Schluss bleibt eine grosse Vielfalt an Eindrücken, welche mit nach Hause genommen und eine unglaubliche Verbundenheit mit den Menschen vor Ort im und ausserhalb des Spitals. In enger Zusammenarbeit mit ihnen geht es weiter, die Liste der Projekte wird nicht kleiner, wie auch die Liste der unterstützen Fachpersonen.
So möchte ich zum Abschluss nur noch einen grossen Dank an euch alle aussprechen. Mit der Teilnahme an unseren Einsätzen über unseren Blog und den vielen positiven Rückmeldungen bekommen wir die grösste Unterstützung für unser Tun aus der Schweiz.
Vielleicht sehen wir euch an unserer Generalversammlung vom Sonntag 21.6.2026 um 15 Uhr im Schützenhaus in Winkel/ZH mit anschliessendem Grill und zusammen sein.
Eingeladen sind natürlich alle Mitglieder wie auch alle Interessent*Innen und Unterstützer*Innen.
Asante Sana – danke vielmals.
Das Mai 26 – Einsatzteam von ZMT
Freitag 29. Mai 2026
Ein pädiatrisches Résumé
Ifisi liegt bereits einen Tag hinter uns… Zeit also für ein Résumé, einen pädiatrischen Rückblick auf die knapp zwei Wochen Mbeya/Ifisi.
Als Greenhorn habe ich mich im ersten Block bezeichnet, als Greenhorn fühle ich mich, wenn ich ehrlich bin, immer noch etwas, auch wenn mich im Spital schon einige Mitarbeitende kennen und ich die Gepflogenheiten, Zusammenhänge und die Seilschaften halbwegs durchschaue und mit Hilfe meiner lieben KollegInnen kennen gelernt habe.
Mit unserem einheimischen Pädiater David Msomba konnte ich über diese Tage ein gutes, ja sogar sehr gutes Verhältnis aufbauen. Klar, hauptzeitlich waren wir medizinisch beschäftigt auf der NICU, der Paediatric Ward und in der täglichen ambulanten Sprechstunde, gerade neben der Mütterberatung lokalisiert. Aber wir hatten auch für private Themen Zeit, zeigten beide Interesse dafür, so dass er sich mir gegenüber auch zunehmend geöffnet hat. Für mich eine nicht unwichtige Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.
Beeindruckt bin ich, wie David mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, und deren sind es nicht viele verglichen mit unseren Möglichkeiten in der Schweiz, die tägliche Arbeit versucht zu meistern. Das heisst, auch immer wieder mit der Tatsache konfrontiert werden zu müssen, dass vieles nicht machbar ist. Dies liegt leider auch immer wieder an den fehlenden finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Für mich eine zu Beginn fast unerträgliche Situation, die mich häufig beschäftigte, David aber mit stoischer Ruhe zu ertragen scheint. Es bleibt ihm gelinde gesagt auch nichts anderes übrig.
Trotzdem haben wir zwei versucht aktuelle Bedürfnisse der Pädiatrie zu formulieren, die wir dann am Schluss im «Final Talk» der Spitalleitung vorlegten: zweiter Pädiater, grössere und kindergerechtere Räume, medizinische Geräte. Ein ganzer Sack voller Wünsche, der aber auf offene Ohren zu stossen schien. Mal schauen, was davon aufgegleist und sogar vielleicht verwirklicht werden kann. Diesbezüglich bleiben David und ich miteinander sicherlich weiter in Kontakt!
Donnerstag 28. Mai 2026
Wenn doch einmal (fast) alles funktioniert (Unfallchirurgie Teil II)
Für unseren vorletzten Tag hatten wir uns ein grosses Programm vorgenommen, da es dem Verbandszimmer gelungen war, einige chronische Wunden gut zu konditionieren, so dass wir eine Defektdeckung mit Spalthaut planen konnten. Obwohl eigentlich ein gesetzlicher Feiertag war, das islamische Opferfest, hatte das einheimische OP-Team versprochen, pünktlich um 8:30 parat zu stehen. Wegen eines Notkaiserschnitts hat das leider nicht geklappt, aber um 9:30 ging es im chirurgischen Saal los. ZMT hat dem Krankenhaus ein neues Dermatom geschenkt, ein Gerät mit dem definiert Hautschichten entnommen werden können, um sie an eine andere Stelle zu transplantieren. In den letzten beiden Wochen hatten wir schon einige Transplantationen durchgeführt, die jedoch vom Ablauf her noch etwas holprig liefen. Um so erstaunter waren wir, dass alle Geräte vorbereitet und sterilisiert waren, alle Instrumente auf dem Tisch lagen und auch genügend Kollegen sich gewaschen und steril angezogen hatten. Für diese OP sind für einen reibungslosen Ablauf immer 3 Personen, 6 Hände, erforderlich. Der angelernte tansanische Kollege hat dann die Entnahme vorbildlich durchgeführt. Die Befestigung des Transplantates ging auch durch ein Stapler-Gerät, ebenfalls eine ZMT-Spende, schnell über die Bühne, so dass der gesamte Eingriff in einer Stunde vorbei war. Das Gerät musste dann zwischensterilisiert werden, was ca. 90 Minuten dauert. Aber genau in dieser Zeit hatte sich ein weiterer Kaiserschnitt angekündigt, den das Team dann, ohne mich als Unfallchirurgen, problemlos operierte. Ich konnte die Zwischenzeit nützlich mit Petra im Verbandsraum verbringen und die Operationen der letzten Tage noch einmal sehen. Auch die zweite Spalthauttransplantation ging genauso schnell. In der Ambulanz hatte sich zwischenzeitlich aber ein weiterer Patient mit einer offenen Ausrenkung des Grosszehengrundgelenks nach einem Verkehrsunfall vorgestellt. Der Patient war auch noch ein guter Freund des einheimischen Chirurgen aus unserem OP-Team, der dann auch sehr besorgt war. Auch hier ging die Vorbereitung durch das OP-Team mit Bereitstellen der entsprechenden Siebe rasch und fehlerlos. Wir konnten die Zehe auch ohne ein mobiles Röntgengerät wieder einrenken und mit einem Draht befestigen. Einige weitere kleine Wunden mussten bei dem Patienten noch genäht werden.
Inzwischen war es 17:00 geworden, doch wir konnten alle gemeinsam nach insgesamt 5 Eingriffen den OP mit einem sehr zufriedenen Gefühl verlassen und gemeinsam ein Soda trinken. Es passten fast alle Teile einer erfolgreichen Entwicklungszusammenarbeit ineinander. Die Spende eines teuren technischen Gerätes, welches sich das Krankenhaus alleine nie hätte leisten können, ein wiederholtes Teaching des einheimischen Kollegen in dieser Methode und das Management eines Notfalleingriffs ebenfalls mit dem entsprechenden Unterricht. Etwa müde gingen wir zur Unterkunft zurück, wo ein kühles Bier und das Abendessen schon wartete. Wenn es denn immer so laufen würde!!
Mittwoch 27. Mai 2026
Heute ist ein muslimischer Feiertag. Als wir auf 9 Uhr zum Spital laufen, ist die Strasse auffallend leer. Es weht ein kühles Lüftchen. Unsere Mission ist genauso erfreulich wie die Stimmung auf der Strasse. Zusammen mit Sile und Stefan treffen Markus und ich Martha. Sie arbeitet aktuell als Praktikantin auf der Kardiologie, und wir dürfen ihr mitteilen, dass ZMT ihren Traum von einem Medizinstudium finanziell unterstützen wird. Ihre ungläubige Freude berührt uns tief. Nach unserem Gespräch ist sie eine zeitlang unfähig zu arbeiten, sie muss die gute Nachricht erst einmal ein bisschen verdauen. Ihre Mutter glaubt ihr kein Wort, sie wird morgen ins Spital kommen, um persönlich mit uns zu sprechen.
Ein kleiner Tropfen mit hoffentlich grosser Wirkung. Hoffnung, die eigenen Träume verwirklichen zu können. Hoffen wir, dass die Saat aufgeht und Früchte trägt – im Persönlichen wie auch fürs Spital hier.
Um 11 Uhr haben wir mit Morice abgemacht. Er holt uns am ICC ab, wir fahren zu seiner Poliklinik in Mbalisi. Wir staunen nicht schlecht, was hinter der gut verriegelten und gesicherten Fassade zum Vorschein kommt: Eine grosszügige Praxis vom Feinsten! Eingangsbereich mit Empfang, Wartebereich und Medikamenten. Und schöne Fotos überall an den Oberlichtern. Ein Untersuchungszimmer mit portablem Ultraschallgerät und einladender Liege. Die habe er selbst entworfen, berichtet Morice stolz. Ein Labor mit Zentrifuge, Mikroskop und Blutbildmaschine. Ein zweites Untersuchungszimmer mit Sterilisator. Alles picobello sauber und gepflegt! Morice arbeitet hier abends nach der Spitalarbeit und am Wochenende. Oft wird er von einer Laborantin, einer Pharmakologin und einer Nurse unterstützt, wenn es sein muss, arbeitet er auch ganz allein. Das hat mich sehr an meine Sprechstunde in der Schweiz erinnert, wenn die MPA wieder einmal krankheitshalber ausgefallen ist…
Zurück im ICC lädt dieser freie Tag zur Rückschau der Ärzte ein. Für die morgige Teamsitzung mit der Spitalleitung werden die Wünsche und Erfordernisse der verschiedenen Abteilungen diskutiert. Wichtigstes Fazit: die wenigen Fachärzte (Gynäkologie und Pädiatrie) bestmöglich zu unterstützen, sie sind die Zukunft des Spitals!
Der Nachmittag lädt ein, die Seele baumeln zu lassen. Markus und ich fahren nochmals mit dem Bajaji nach Mbalisi auf den Markt, um noch Einkäufe fürs Nachtessen zu tätigen. Es gibt mehrheitlich feine Reste von gestern. Vom sehr gelungenen Impala-tonnato ist glücklicherweise noch genug übriggeblieben, um unsere hohen Gäste zu bewirten: Susanna und Severin sind heute gerade noch rechtzeitig eingetroffen und auch das Ehepaar Lehner (notabene die Spender des Impalas) sollten heute Abernd noch eintreffen. Wir freuen uns auf eine gemütliche Runde mit vielen alt bekannten Gesichtern!
Schliessen möchte ich mit einem Zitat von Erich Fried: Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Dienstag 26. Mai 2026
26.05.2026 ein Schnapsdatum, Marieles Geburtstag und ein wunderschönes Swiss African Dinner am ICC, so dass der Blog ganz vergessen ging. 🙄
So sei es hier nachgetragen: Das Patientenaufkommen hat nun, bis auf die Schwangerschafts-Kontrollen, nachgelassen, nicht zuletzt da aktuell Erntezeit ist und die Patienten weder Zeit noch Geld für Untersuchungen und Behandlungen haben. Dies wird sich in 5-6 Wochen wieder verändern. Einflüsse, die wir uns in unseren (über)sättigten Wohlfahrtsstaaten kaum mehr vorstellen können. Nichts desto trotz gibt es immer etwas zu tun, wenn man die Arbeit sieht. So hatte Morice zusammen mit Mariele, trotz etwas holpriger Narkose (ungenügend wirksame Rückenmark-Anästhesie und anschliessend Intubationsnarkose im partiellen Handbetrieb) eine erfolgreiche Gebärmutterentfernung bei einer 40-jährigen Frau mit wiederholten, transfusionsbedürftigen Menstruationblutungen durchgeführt. Währenddessen hat Martin, zusammen mit Ken, bei einer jungen Frau mit schwerer Ablederungs-Verletzung der ganzen linken Hand an einer Mahlmaschiene, einen Verbandswechsel in Narkose durchgeführt und wieder in einer Gipsschiene ruhiggestellt. Walti und David haben die Pädiatrie-Sprechstunde geleitet und zusammen mit Ruth und Ruedi das pädiatrische Sprechzimmer mit tansanischem Wandschmuck und kleinen Spielzeug-Autos kindergerecht eingerichtet, was sehr geschätzt wird. Stefan und ich haben zuerst die klinische Visite auf der auf der Intermediate Care Unit (ICU) durchgeführt und bei einzelnen kritischen Patienten dringend benötigte Laborparameter und Medikamente aus eigener Tasche finanziert, da viele Patienten und ihre Familien sich dies schlicht nicht leisten können und eine fehlende Diagnostik und ungenügende Behandlung oft mehr Schaden als Nutzen bringt. Es ist das übliche Dilemma, wo man allenfalls etwas zusatzfinanzieren will und weshalb man das nicht bei jedem Patienten und jeder Patientin tut. Aber als Arzt und Therapeut ist man eben primär auch Mensch und nicht nur Medizinerin, Klinikmanager oder Medizintechnikerin. Das macht uns schliesslich als Menschen auch zu einer Familie, worauf wir Europäer oft erst nach langem Nachdenken kommen, während die meisten Menschen in Afrika dies schlicht einfach spüren und spüren lassen. Das ist mit ein Grund, weshalb wir hier primär in die Ausbildung von einheimischen Männern und Frauen investieren, von denen wir spüren, dass sie das medizinische Interesse, die geistige Kapazität aber auch Empathie zur Behandlung mittelloser mit Mitmenschen mitbringen. So haben wir die letzten zwei Wochen zwei überaus geeignete und interessierte afrikanische Mitarbeiter (Martha, CO und Petro, MD) in die Grundlagen der diagnostischen Echokardiographie eingeführt, damit diese Untersuchung, nach dem Weggang von Doktor Martin, nun auch wieder regelmässig durchgeführt und entweder Doktor Juma am Haus oder in unserem Kardiologen-Chat per WhatsApp vorgelegt sowie das weitere Vorgehen zeitnah festgelegt werden kann. Wir sind von diesen zwei jungen Menschen sehr begeistert.
Nach getaner Arbeit haben wir uns dann in die Küche an ICC begeben, um zusammen mit unseren afrikanischen Köchen Rashidi und John das Swiss African Dinner(Hühnchen und PILAV-Reis sowie Impala tonnato mit Dekorationen) sowie ein Kuchenbuffet vorzubereiten. Das anschliessende Swiss African Dinner war ein voller Erfolg und auch das hier von Zakaria mit der Armbrust frisch erlegte Impala sowie das hier ungewohnte Tuna und natürlich das ausgezeichnete Kuchenbuffet von Ruth und Mariele haben den meisten Afrikaner ausgezeichnet geschmeckt. Wir wurden anschliessend, wie es die Kultur vorgibt, mit Tüchern, T-Shirts, Taschen und Mützen beschenkt und haben uns dann ebenfalls glücklich und gewertschätzt zur Ruhe gelegt.
Markus
Montag 25. Mai 2026
Ein Fremder ist ein Freund,
den ich noch nicht kennen gelernt habe!
Einige Gedanken von Ruth, die als Begleiterin erstmals dabei war.
Zusammen können wir etwas zum Besseren bewegen.
Überlegungen zu Verbesserungen dürfen wir nicht im Schweizer Denkmuster tätigen.
Respekt ist eines der Zauberworte.
Interessen der TanzanianerInnen sollten immer im Vordergrund stehen.
Chancengleichheit/Gerechtigkeit auf der Welt werden wir leider nie erreichen.
Herzlichkeit und Freundlichkeit begegnet uns in Tanzania überall.
Mitdenken, wie können wir die Leute hier dazu anregen?
Engelsgeduld, davon sollten wir uns eine Scheibe abschneiden.
Erkenntnisse sollten uns anspornen, nicht frustrieren.
Tanzania, ein schönes, wunderbares und vielfältiges Land.
Schön, dass ich bei diesem Projekt dabei sein darf.
Tief beeindruckt, wie die Menschen hier ihr Leben meistern.
Alle Eltern wollen für ihr Kind nur das Beste.
Nicht in Passivität verfallen, Wünsche selber wahr machen.
Zum richtig Fürchten, der hiesige Strassenverkehr.
Auch sollten von uns kleine Anstrengungen gesehen und anerkannt werden.
Nie Streit, Groll oder Gehässigkeit gesehen oder erlebt.
Interessen wecken und unterstützen, wo es sinnvoll und möglich ist.
Allen in unserem Team einen grossen Dank für Ihren Einsatz und Ihre Freundschaft.
Sonntag 24. Mai 2026
Als Begleitperson auf Einkaufstour Schon mehrere Male durfte ich als Begleitperson nach Tanzania reisen. Hier bin ih zuständig für den Markteinkauf. Seit gut fünf Jahren bieten wir die Produkte von Zurich-meets-Tanzania nicht nur an verschiedenen Märkten an, sondern das ganze Jahr über auch im Unikat Höngg oder teilweise online an. Die Produktepalette ist inzwischen wunderbar vielfältig geworden. Da sind zum Beispiel die liebevoll gefertigten Näharbeiten aus der kleinen Schneiderinnenstube vor Ort. Dort entstehen Kochschürzen, Topflappen, Einkaufstaschen, Projektbeutel für Handarbeiten, Haargummis, Kinderkissen, Esslätze mit applizierten Tieren und vieles mehr. Jedes Stück ist ein echtes Unikat. Und ehrlich gesagt: Jedes Mal, wenn ich ihr kleines Lädeli besuche, entdecke ich wieder Neues, das unbedingt mit in den Wiederverkauf muss. Für unsere beliebten Körbe fahren wir jeweils etwas weiter in die Stadt hinein. Wegen des dichten Verkehrs auf dem Trans-African-Highway und den teilweise schlechten Strassen dauert die Fahrt inzwischen meist gut eine Stunde – aber sie lohnt sich jedes Mal. Unser Fahrer manövriert den alten Landrover ruhig und sicher durch das bunte Verkehrschaos. Die Frauen auf dem Körbemarkt erkennen uns inzwischen offenbar wieder. Allzu viele Muzungus (weisse Tourist:innen) verirren sich hier nämlich nicht hin. Eine besondere Herausforderung ist jedes Mal das „Tetris-Spiel“ beim Verpacken: Sobald der grösste Korb ausgewählt ist, beginnt das geschickte Ineinanderstapeln, damit wir möglichst viele Körbe platzsparend im Gepäck unterbringen können. Das Schöne an diesen Körben ist nicht nur ihre Herkunft. Die Frauen flechten sie in Heimarbeit aus Materialien, die direkt in ihrer Umgebung wachsen. Wir verkaufen die Körbe in der Schweiz und der Ertrag kommt wiederum unserem Projekt Zurich-meets-Tanzania zugutekommt. Damit finanzieren wir Aus- und Weiterbildungen von medizinischem Personal mit. Und wenn ein Korb irgendwann einmal ausgedient haben sollte, dann darf er ganz einfach auf dem Kompost entsorgt werden. Für mich ist das ein echtes WIN-WIN-WIN. Diesen Sonntag besuchten wir die nahegelegene Kaffeefarm Utengule. Die Gelegenheit wollten wir natürlich nutzen und gleich an einer Führung durch die Kaffeeplantage teilnehmen. Auf den weitläufigen Feldern wächst Arabica-Kaffee, teilweise auf schon sehr alten Pflanzen. Viele der Kaffeekirschen waren bereits erntereif. Da Sonntag war, herrschte überall angenehme Ruhe und wir hatten die ganze Plantage fast für uns allein. Zur Ernte kommen normalerweise mehrere hundert Pflücker:innen, die die reifen Kirschen sorgfältig von Hand ablesen. Auch die Anlage für die nasse Verarbeitung hatte an diesem Tag Pause. Im Betrieb muss es dort ordentlich scheppern und rumpeln. Ein ausgeklügeltes System sortiert die Bohnen nach Reifegrad und Grösse. Bereits vorbereitet lagen grosse Siebe, auf denen die Bohnen später an der Sonne trocknen bereit. Pro Baum entstehen ungefähr drei Kilogramm roher grüner Kaffee. Eigentlich erstaunlich, dass Kaffee bei diesem Aufwand nicht teurer ist. Beim anschliessenden Kaffeetasting wurden dann unsere Geschmacksknospen getestet – sagen wir es so: Da haben wir wohl noch etwas Entwicklungspotenzial :-). Neulich nutzte ich ausserdem die Gelegenheit, mit auf den Markt in Mbalizi zu fahren. Inzwischen wissen wir auch, was die Fahrt mit dem dreirädrigen Bajaji-Taxi kostet: 1000 Tanzania-Schilling (30 Rp.) pro Person und Weg für etwa fünf Kilometer. Eine ordentlich scheppernde Fahrt – definitiv nichts für schwache Nerven oder empfindliche Rücken. Natürlich konnte ich es nicht lassen und habe erneut einige Stoffe, denen man hier Kitenge sagt, eingekauft. Leider stammen entgegen den Aussagen vieler Marktleute kaum noch Stoffe tatsächlich aus Tanzania. Die Etiketten erzählen nach genauerem recherchieren eine andere Geschichte. Offenbar wurde die Stoffproduktion grösstenteils nach China ausgelagert. Allerdings ist China auf dem afrikanischen Kontinent auch deutlich präsenter als bei uns in Europa – insofern überrascht es vielleicht nicht ganz, dass selbst die typischen Kitenge-Stoffe zwar nach Afrika aussehen, aber nicht hier produziert wurden. Schade eigentlich. Schön sind sie trotzdem. Nun gilt es nur noch all die eingekauften Sachen im Gepäck zu verstauen, die Gewicht-Grenze des Fluggepäckes nicht zu überschreiten, daheim alles anzuschreiben und im Unikat oder auf einem Markt zu verkaufen. Schaut doch mal vorbei. Das Geld ist sicher gut investiert und kommt am Ziel an. - Asante sana.
Samstag 23. Mai 2026
Meine Begeisterung für Tansania – kleine Schritte mit grosser Wirkung Was mich immer wieder nach Tansania zieht, sind nicht nur die Aufgaben oder Projekte, sondern vor allem die Menschen. Meine Motivation und Begeisterung für dieses Land entstehen durch die Herzlichkeit und Offenheit, die mir jedes Mal entgegengebracht werden. Bereits bei meiner Ankunft wurde ich wieder überwältigt – die wunderbare Begrüssung am Flughafen und später im Spital hat mir einmal mehr gezeigt, wie besonders die Menschen hier sind. Man spürt vom ersten Moment an Wärme, Freude und echte Begegnung. Genau diese Erlebnisse berühren mich tief und machen meine Zeit hier so wertvoll. Im Spital warteten verschiedene Unterhalts- und Verbesserungsarbeiten auf mich. Im Gebärsaal musste zunächst der Kühlschrank abgetaut werden. Vor meiner Arbeit sah er aus wie ein Schweizer Gletscher – eine dicke Eisschicht hatte sich über lange Zeit angesammelt. Nach dem Abtauen war er wieder voll einsatzbereit. Im Operationsbereich standen über fünfzig stumpfe OP-Scheren zur Überarbeitung an. Durch das Schleifen konnten viele Instrumente wieder funktionstüchtig gemacht werden – eine kleine Arbeit mit grosser Wirkung für den täglichen Einsatz. Auch im technischen Dienst gab es einiges zu tun. Gemeinsam wurden alte technische Materialien ausgeräumt, sortiert und anschliessend geordnet wieder eingeräumt. Ziel war es, Übersicht und Struktur zu schaffen, damit benötigte Materialien rasch gefunden werden können. Dabei wurde mir erneut bewusst, wie wichtig Organisation und langfristiges Denken sind. Eine grosse persönliche Vision von mir ist es, im Spital eine geplante Instandhaltung und Wartung einzuführen. Reparaturen sollen nicht erst dann erfolgen, wenn etwas kaputtgeht, sondern durch regelmässige Kontrollen und Wartungspläne möglichst verhindert werden. Es freut mich besonders, dass ich die Geschäftsleitung für diese Idee gewinnen konnte. Es ist vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber für die Klinik könnte daraus etwas sehr Grosses entstehen. Ein weiteres Projekt war die Planung eines Gebärsaal-Provisoriums. Dazu wurden bestehende Räumlichkeiten vermessen, welche als Grundlage für die Erstellung von CAD-Bauplänen dienen sollen. Auch im ICC-Gästehaus gab es einige Herausforderungen. Ein gerissenes Seil an der Kinderschaukel musste ersetzt werden. Die schief gewordene Befestigung der Wäscheleine erhielt ein neues Traggerüst, und die kalte LED-Beleuchtung im ICC-Restaurant soll künftig durch dekorative Lampenschirme eine angenehmere Atmosphäre schaffen. Dabei durfte ich auf grossartige Unterstützung zählen. Mein herzlicher Dank geht an Silvia, Ruth und Mariele für ihre wertvolle Hilfe. Im Bereich Brandsicherheit konnte ich zudem eine Schulung mit den Köchen durchführen. Vielen Dank an die Köche für ihre aufmerksame Teilnahme und das grosse Interesse. Besonders wertvoll sind für mich jedoch die gemeinsamen Stunden am Abend. Beim Apéro und anschliessenden Nachtessen entstehen immer wieder interessante, tiefgründige und persönliche Gespräche. Diese Begegnungen gehen weit über den Alltag hinaus und schaffen echte Verbindungen. Ihr seid mir alle ans Herz gewachsen. Herzlichen Dank an euch alle!
Freitag 22. Mai 2026
Ein Tag im Leben eines Unfallchirurgen in Ifisi Nachdem ich inzwischen zum dritten Mal in Ifisi mit dabei bin, habe ich den Tagesablauf inzwischen verinnerlicht. Die Arbeit beginnt um 8:30, vorher läuft wenig. Man trifft den Diensthabenden und bespricht Neuaufnahmen. Der zentrale Punkt der Chirurgie ist danach Petras Verbandssprechstunde. Dort sammeln sich alle Fälle, die verbunden werden müssen oder weiterer Nachsorge bedürfen. Sie ist immer über alles Chirurgische im Haus informiert und gibt die entsprechenden Informationen weiter. Petra ist die Seele des Krankenhauses und versorgt mit viel Liebe auch fast hoffnungslose Fälle. Viele Kinder mit älteren Verbrennungen und viele Patienten mit langen Verläufen. Die Bilder zeigen ein sechsjähriges Kind, welches seit einem knappen Jahr in Behandlung ist. Ihr Kleid aus Kunststoff ist am offenen Feuer der Hütte in Brand geraten, was zu einer Verbrennung von 40% der Körperoberfläche geführt hat. Nach mehreren Hauttransplantationen müssen noch Restwunden regelmässig versorgt werden, da keine weiteren körpereigenen Areale zur Verfügung stehen. Heute standen 3 Operationen an, die dank ausbleibender Notfälle auch halbwegs pünktlich begonnen werden konnten. Zuerst habe ich einem einheimischem Assistenzarzt eine Leistenhernien-OP assistiert, was grundlegende anatomische Defizite in der Anatomie der Leiste zu Tage förderte, wir uns in der Diskussion aber auf einen Konsens einigen konnten, was letztendlich zu einem erfolgreichen Abschluss der OP führte. Danach musste ein junger Mann behandelt werden, der vor knapp einem Jahr bei einem Motorradunfall eine offene Unterschenkelfraktur erlitten hatte. Dies hatte zu einer chronischen Knochenentzündung und einer nicht heilenden offenen Wunde geführt. Trotz eingeschränkter technischer Möglichkeiten konnte dies mit einem Muskelverschiebelappen und einem metallischem Aussengestell behandelt werden, so dass Hoffnung besteht, dass das Bein ausheilt und nicht amputiert werden muss. Beim dritten Patienten musste ein liegendes Aussengestell korrigiert und mit weiteren Metallstangen verstärkt werden. Wegen der langen Wechselzeiten zwischen den Operationen war dies durchaus ein tagesfüllendes Programm, was nach einer letzten Rücksprache mit Petra und dem diensthabenden Arzt dann gegen 17:00 endete. Rechtschaffen müde ging es zurück zur Unterkunft, wo man dann auch im Gespräch von den erfahrenen Kollegen der Gruppe gut aufgefangen wird.
Donnerstag 21. Mai 2026
Tanzania mit eigenen Augen, von Sandro (13) und Tim (11) Unser Vater Martin ist schon ein paarmal hier in Ifisi gewesen und diesmal durften wir endlich mit. Wir kommen aus dem Thurgau und ehrlich gesagt hatten wir keine Ahnung was uns erwartet. Jetzt sind wir seit ein paar Tagen hier und irgendwie weiss man gar nicht wo man anfangen soll. Die Fahrt nach Matema war schon mal der Hammer. Vier Stunden im Auto, aber es war überhaupt nicht langweilig, weil man die ganze Zeit aus dem Fenster schauen musste. So viele Menschen, Dörfer, Kinder die winken, Ziegen, die einfach mitten auf der Strasse stehen. Beim Zoo beim ICC haben wir dann Löwen gesehen, mit Jungtieren! Die Kleinen haben herumgebalgt und das war mega süss, aber die Mama hat uns so angeschaut, dass man lieber nicht zu nah ranging. Und die Hyänen machen so ein komisches Lachen, irgendwie gruselig aber auch voll cool. Das Coolste war aber die Fahrt auf dem Dach des Land Rovers, einfach obendrauf sitzen, Wind und Staub im Gesicht, das war so cool, sowas darf man daheim nie. Die Schule in Songwe war dann echt speziell. Wir dachten zuerst, okay Schule, kennen wir. Aber nein. Die Kinder dort sitzen alle supergerade, heben ordentlich die Hand, stehen auf, wenn der Lehrer sie anspricht. Irgendwie hat uns das ein bisschen beschämt, aber auch beeindruckt. Im Spital war dann so ziemlich alles spannend, einfach weil alles so komplett verschieden ist von dem was man kennt. Das fängt beim Gebäude an und hört bei der Arbeitsweise der Leute noch lange nicht auf. Und irgendwo mittendrin versteht man plötzlich, warum Papa immer wieder herkommt. Abends haben wir mit den Teammitgliedern gespielt, Brändi Dog und Elfer raus und so, und die Erwachsenen wurden dabei voll ehrgeizig, was uns ziemlich zum Lachen gebracht hat. Das war jedes Mal superlustig und irgendwie das beste Ende für so einen langen Tag. Und dann ist da noch etwas das man schwer erklären kann. Alle schauen uns an auf der Strasse, in der Schule, überall. Aber nicht so, wie wenn man etwas falsch gemacht hat, sondern weil sie sich wirklich freuen. Sie wollen wissen wie wir heissen, wollen mit uns reden und lachen. Das kennen wir gar nicht so. Es ist ein komisches, aber gutes Gefühl, so willkommen zu sein einfach weil man da ist. Wir werden bestimmt wieder kommen. Sandro & Tim
Mittwoch 20. Mai 2026
Greenhorns in Tanzania im Einsatz für die Zukunft
Nach dem gestrigen grossartigen Poesiebeitrag unseres lieben Markus kommt heute die ernüchternde Rückkehr zur Prosa und dies von einem der zwei Greenhörner der aktuellen ZMT-Truppe.
Ich bin Walti Dorn, seit einem Jahr pensionierter Pädiater aus Chur. Nach 25 Jahren in der Praxispädiatrie mit meinem Partner David Zach konnte ich dem Drängen von Stefan nicht mehr Stand halten und habe mich für eine ZMT-Einsatz begeistern lassen, da mich auch meine Frau Ruth, das zweite Greenhorn in unserer Truppe, als ebenfalls seit kurzem pensionierte Primarlehrerin, begleiten darf.
Hauptgrund für mein Mittun ist die Tatsache, dass seit gut sieben Monaten ein Pädiater in Spital von Mbalizi tätig ist, der 41-jährige David Msomba. Schon verrückt, da arbeite ich 25 Jahre mit David in Chur zusammen und in Tanzania geht’s mit David weiter… ein gutes Omen?
Die Eindrücke, die ich seit unserer Ankunft täglich mache sind so vielfältig, dass es mir schwer fällt, sie so auf die Schnelle aufs Papier zu bringen. Der für mich bis anhin fremde Kontinent, das fremde Land, die fremde Kultur mit ihrer fremden Sprache lassen mich kaum zur Ruhe kommen und wenn diese einmal angesagt wäre, steht mein erster Blogeintrag an…
Irgendwie bin ich aber trotzdem schon etwas angekommen, zumindest in der täglichen Arbeit im Spital, wo ich David auf seiner stationären Visite begleiten und anschliessend in der ambulanten Sprechstunde beobachten und wenn immer möglich unterstützen darf. Die Pädiatrie hier und wie sie bei uns in der Schweiz betrieben wird, ist recht unterschiedlich. David zieht z.B. die Kinder, ob klein oder gross, kaum aus, untersucht marginal, Problem bezogen. Wir hingegen ziehen die Kinder zum Untersuch, zumindest die Säuglinge, immer vollständig aus, um nichts Wichtiges zu verpassen. Meinen diesbezüglichen Input hat David erstaunt, aber erfreut zur Kenntnis genommen und mittlerweile wiederholt versucht, umzusetzen, was aber erwartungsgemäss nicht immer gelingt. Ich versuche sehr behutsam vorzugehen! Am liebsten antworte ich auf seine konkreten Fragen, da ich mich bei ihm in der Sprechstunde als Gast fühle und sicher nicht als Pädiaterkollege, der alles besser weiss. Mein Ziel ist es, in diesen zwei Wochen sein Vertrauen zu gewinnen. Vertrauen, damit er mich als einen Berufskollegen akzeptieren kann, mit dem er fachliche Fragen und Unsicherheiten ohne Hemmnisse besprechen und ausdiskutieren kann. Dies trotz der z.T. sprachlichen Schwierigkeiten, habe ich doch mit dem tansanischen Englisch meine liebe Mühe.
David ist in seiner Funktion sehr alleine, ihm steht kein clinical officer zur Seite. Zum Glück ist das Pflegepersonal aber sehr kompetent, wie ich es zumindest zu beurteilen wage und er mir auch bestätigt. Dazu kommt, dass die Pädiatergilde als sehr zurückhaltend und diskret auftretend gilt, insbesondere im klinischen Umfeld im Vergleich mit den anderen Fachrichtungen. Dies ist in Tanzania nicht anders als in der Schweiz. Hier gilt es David und seine Fachrichtung zu stärken. Beginnen möchte ich hier zumindest einwenig mit einer etwas kindergerechteren Gestaltung, Einrichtung seines Untersuchungsraumes. Mal schauen, was wir hier erreichen können, ich bleibe dran.
Dienstag 19. Mai 2026
Vieles ist schon gesagt, doch manches lässt sich nur bedingt in Prosa ausdrücken. Ich habe deshalb meine Empfindungen in einem kurzen Gedicht angehängt und die Ereignisse des heutigen Tages nur kurz zusammengefasst.
Nach dem Frühstück hat sich jeder und jede von unserem Team an seine Aufgaben mit stets neuen Überraschungen gemacht. Da es heute relativ wenige Patienten waren, sind sieben von uns heute Nachmittag zum Markt in Mbeya gefahren, während Martin und ich zusammen mit Zakaria und seiner Armbrust erfolglos ein Impala für das Swiss-African Dinner vom 26. Mai erlegen wollten (dann eben nur ein halbvegetarisches Tonnato 😉). Wir sind sind bisher zum Glück alle gesund und in diesem wunderbaren Team aufgehoben. Mein besonderer Dank gilt deshalb allen meinen Teamkollegen und Teamkolleginnen!
Meine Gefühle nun als kurzes Gedicht:
Im Spital von Ifisi, im goldenen Licht,
liegt sanfte Sonne auf jedem Gesicht.
Ein Lächeln huscht durch hellen Raum,
als würde Hoffnung wachsen im Traum.
Die Tage sind warm, der Himmel so klar,
doch nicht jede Seele ist heiter und wahr.
Ein Lachen ertönt bevor es verklingt
weil Freude und Stille, Geschwister sind.
Zwischen Betten und Blicken, so ehrlich und weit,
liegt neben Frohsinn nicht selten auch Traurigkeit
Ein Händedruck trägt, was das Wort kaum vermag,
und leise beginnt ein neuer, behutsamer Tag.
Dies ist unser dritter Einsatz vor Ort
für ZMT, mit Herz, Hand und Wort
Bekannt sind die Wege, bekannt ist das Ziel,
zu helfen mit Würde — das zählt immer viel.
Wir kommen mit Hoffnung, mit offenen Händen,
um Nähe zu schenken und Lasten zu wenden.
Im Wechsel von Zweifel und sonnigem Schein
darf Menschlichkeit heute die Antwort nur sein.
Und wenn am Abend, vor das Licht versinkt,
durch die Fenster noch kurz warmer Frieden dringt,
bleibt etwas zurück, das stärker noch wär:
ein stilles Vertrauen, verbindend und fair.
😊 Markus
Montag 18.05.2026
Unser erster richtiger gemeinsamer Arbeitstag beginnt. Zusammen legen wir den kurzen Fussweg zum Spital zurück, danach trennen sich unsere Wege. Das gynäkologische Untersuchungszimmer ist noch leer, Zeit für eine Würdigung der Veränderungen seit meinem letzten Einsatz vor 1.5 Jahren: ein strahlend weisser Gynistuhl prunkt in der Mitte des linken Sprechzimmers, im rechten Zimmer finde ich ein Mikroskop. Bisher bin ich mit den wenigen Nativ-Abstrichen ins Labor marschiert, wo ich jedes Mal Aufsehen erregte. Ein neues Ultraschallgerät finde ich auch noch vor – wow! Aber auch Bekanntes: den Schranz an der Liege haben wir letztes Jahr mit Panzerklebeband versorgt, das wurde erneuert. Und die Waschbecken laden immer noch nicht zum Händewaschen ein… Die Sprechstunde beginnt. Statt Morice sitzt heute Martin hinter dem neuen repräsentativen Schreibtisch. Auch die 4 weiteren Clinical Officers kenne ich noch nicht: Maiko, sein Bruder Asagile, Alice und Jacqueline. Die Schwangerschaftsultraschalle werden mit viel Routine erledigt, alle sind froh über meine Inputs. Die komplexeren Schwangeren mit Hypertonie oder Diabetes sind alle gut eingestellt. Die gynäkologischen Themen sind vielfältig: Kinderwunsch, Blutungsstörungen, Ovarialzysten, Myome, Unterbauchschmerzen… Mir fällt auf, dass eher hochdosiert therapiert wird, da spielt Sicherheitsdenken wohl eine grosse Rolle. Meine Anregungen zur Dosisreduktion von Antibiotika oder gar keine Antibiotika oder orales Eisen statt Bluttransfusion werden gerne aufgenommen. Arbeitsende 16.30 Uhr – es hat im Moment weniger Patientinnen als auch schon.
Den Abendspaziergang zurück zum ICC legen wir in Kleingruppen zurück, aber immer mindestens zu zweit. Nun beginnt der Feierabendapéro mit dem wichtigen Austausch des Erlebten. Dieses Jahr hat sich um unsere beiden 11- und 13 jährigen Youngsters eine kreative Spielgruppe gebildet: nach «Brändi Dog»-Tournieren und «Punto» ist heute «Elfer raus* angesagt.
Mein dritter Einsatz für ZMT ist wieder ganz anders als die vorherigen. Die tanzanischen Ärzte und Ansprechpartner haben gewechselt. Umso mehr freue ich mich über bekannte Gesichter wie Morice, den Gynäkologie- und neu auch medizinischer Direktor, über Willis Temihango, der mit über 80 Jahren immer noch aktiv im Gebärsaal ist und viele der hiesigen Kaiserschnittgeburten macht, über Faustina, die Spitalchefin, die uns mit ihrer flammenden Predigt im Begrüssungsgottesdienst empfangen hat, über Petra und Ngoloke im Wundambi, über Getrud und einzelne andere Gesichter. Auch in unserem Team sind ausser Stef und Sile alles neue Gesichter – und trotzdem sind wir bereits nach kürzester Zeit als Team unterwegs und es entstehen viele interessante Gespräche, die fürs Projekt, fachlich und auch allgemein menschlich eine grosse Bereicherung sind. Ich geniesse es sehr, Teil eines solchen Teams zu sein und meinen kleinen Beitrag für das Projekt hier zu geben.
Samstag & Sonntag 16/17. Mai 2026
Wochenende am Malawi-See, oder: Wenn aus Rum plötzlich ein Hotelzimmer wird
Nach der Anreise und einem ersten intensiven Stunden im Spital war für einen Teil unseres Teams am Freitagnachmittag das nächste Ziel Matema, direkt am Ufer des Malawi-Sees.
Vier Stunden Autofahrt klangen auf dem Papier zunächst nach einer überschaubaren Transferetappe. In Tansania bedeutet das allerdings: vier Stunden Beobachtungsstudie in angewandter Verkehrsanarchie, garniert mit grossartigen Landschaften, die sich mit jedem Kilometer veränderten und spektakulärer wurden, je näher wir Matema kamen.
Besonders eindrücklich war der Strassenverkehr. Nicht nur, weil gelegentlich ein Lastwagen dekorativ im Strassengraben parkte, sondern auch wegen der spontanen Sonnenfinsternisse. Diese entstehen hier nicht etwa durch astronomische Besonderheiten, sondern durch Busse ohne Russpartikelfilter, die bei jeder Steigung schwarze Abgaswolken in den Himmel schicken. Man könnte sagen: Euro-Norm 6 endet ziemlich exakt dort, wo Afrika beginnt.
In Matema angekommen, war der erste Programmpunkt alternativlos: ein erfrischendes Bad im See. Danach liessen wir den Abend entspannt ausklingen, natürlich mit Blick auf das Wasser.
Der Samstag begann zu einer Uhrzeit, zu der in Europa nicht einmal ambitionierte Frühaufsteher freiwillig wach sind. Noch vor sieben Uhr glitten Tim und Sandro bereits durch das erstaunlich klare Wasser des Sees, während andere Teammitglieder sich gedanklich erst langsam mit dem Konzept „Morgen“ anfreundeten.
Nachdem die übrigen Teammitglieder aus Ifsi in Matema angekommen waren, Stand am Nachmittag ein Bootsausflug auf dem Programm. Der Malawi-See gilt, als einer der artenreichsten Seen unseres Planeten, mit vermutlich über 800 Fischarten, von denen mehr als 99 Prozent nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Evolutionsbiologen betrachten ihn als eine Art lebendiges Labor, vergleichbar mit Darwins Galapagos-Inseln. Wir hingegen bestaunten, beim Schnorcheln vor allem, wie viele Farben ein Fisch gleichzeitig tragen kann, ohne dabei geschmacklos zu wirken.
Am Abend folgte eine Wanderung zu den Hippos. An dieser Stelle sei für alle künftigen Tansania-Reisenden ein wichtiger Hinweis erlaubt: Spaziergänge in Tansania folgen eigenen Gesetzen. Erstens dauern sie grundsätzlich doppelt so lange wie angekündigt. Zweitens entwickeln sie sich mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit zu kleinen Expeditionen.
So auch diesmal.
Da die Regenzeit gerade erst vorüber war, bestand der Weg aus einer Serie ambitionierter Balanceakte über Matsch, Wasserlöcher und undefinierbaren Tümpeln. vorkommendend wäre wenig empfehlenswert gewesen, nicht zuletzt wegen der hier durchaus vorkommenden Bilharziose. Auf ein Foto der entsprechenden Parasiten verzichten wir an dieser Stelle bewusst.
Die Hippos selbst blieben uns zwar verborgen, dafür wurden wir mit einer äusserst kreativen Flussüberquerung entschädigt: eine „Fähre“, die sich bei genauerer Betrachtung als kleines Boot entpuppte, befestigt an einem Seil, das offenbar den Anspruch hatte, Infrastruktur zu sein.
Ein Problem, welches sich schon bei unserer Ankunft in unserem Hotel abzeichnet hatte, war dass das Getränkeangebot kein genügend hohes Volumenprozent aufwies, um den Tag aus hygienischer Sicht von innen zu desinfizieren, was unter den gegebenen Umständen durchaus vertretbar erschienen wäre.
Stefan, pflichtbewusster Einsatzleiter und Mann der praktischen Lösungen, nahm die Sache selbst in die Hand und bestellte in einer Hotelbar, an der wir auf dem Rückweg vorbeikamen, einen Rum.
Das Englisch der Mitarbeitenden bewegte sich aber in einem eher ausbaufähigen Entwicklungsstadium. Was folgte, war ein interkulturelles Meisterstück der Lautverwechslung: Aus „Rum“ wurde „Room“.
Wenige Minuten später hatte Stefan unfreiwillig ein Hotelzimmer gemietet, inklusive bereits einkassierter Bezahlung.
Doch wie so oft in Tansania liess sich auch dieses Missverständnis mit Geduld, Humor und der Unterstützung unserer lokalen Freunde auflösen. Das Zimmer wurde storniert, der Rum geliefert und schliesslich mit der nötigen Würde in +unserem Hotel, am Lagerfeuer direkt am Seeufer degustiert.
Der Sonntag stand im Zeichen des Abschieds von Matema.
Martin, unser Traumatologe, verspürte noch ausreichend Abenteuerlust für eine Exkursion zu einem Wasserfall. Dass er diese Tour schliesslich wegen zu hoher Absturzgefahr abbrach, verdient besondere Beachtung: Martin hat bereits die drei höchsten Berge Afrikas und fünf höchsten von Tansania bestiegen. Wenn also er sagt, es sei heikel, dann ist das keine poetische Umschreibung für einen etwas rutschigen Wanderweg.
Der Rest der Gruppe zog es ins Dorf Matema. Bei der anschliessenden Erfrischung im See, entbrannte eine erstaunlich leidenschaftliche Diskussion über die Wassertemperatur des Malawi-Sees. Während die einen das Wasser als „angenehm erfrischend“ beschrieben, waren andere überzeugt, es habe exakt Badewannentemperatur
Am Nachmittag hiess es dann: Rueckfahrt nach Ifisi.
Vier Stunden später waren wir wieder dort, wo unsere eigentliche Mission wartet. Bereit am Montag gemeinsam mit unseren Freunden im Mbalizi-Spital mit voller Energie weiterzuarbeiten.
Donnerstag & Freitag 14/15. Mai 2026
Lange Reise und erster Arbeitstag
Obgleich viele von uns die Reise in den Süden von Tanzania schon genau kennen und alles aalglatt über die Bühne gegangen ist, sind wir immer wieder erstaunt, wie müde und erschöpft wir jeweils nach 24h Reise ankommen. Der Empfang am Flughafen in Songwe/Mbeya ist dann immer das grosse erste Highlight, welches noch einmal die Energie gibt für das erste Zusammensitzen beim Nachtessen und das Organisieren der nächsten Tage. Die Herzlichkeit überwältigt einem immer.
Dieser Empfang wiederholt sich dann am Freitag morgen im Spital. In der Kapelle bei der Morgenandacht haben wir einmal mehr eine afrikanische Kurzpredigt von Faustina, der administrativen Direktorin, erlebt mit viel Feuer und Emotionen und gemeinsamen Singen. Hühnerhautmoment unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Weiter durften wir eine Spital-Führung durch Dr. Morice erleben, in erster Linie für alle, welche zum ersten Mal dabei sind. Eine erste Anekdote: Walti, unser Pädiater, erstmals dabei, wurde von seinem Pendant hier in Ifisi, Dr. David Msomba, nach der halben Führung ‘abgezügelt’ und ward nicht mehr gesehen bis zur Abreise nach Matema ins Wochenende. So soll es sein 😉.
Jedenfalls haben alle in ihren Gebieten Fuss gefasst, erste Leute getroffen und Pläne geschmiedet für die nächsten beiden Wochen. Die Arbeit geht nicht aus, im Gegenteil.
Nun steht bereits das Wochenende am Lake Malawi in Matema an, zum Austausch über die ersten Eindrücke und um auch Land und Leute der Region kennen zu lernen.
Dienstag, 12. Mai 2026
Die letzten Vorbereitungen
Die Vorfreude aber auch eine gewisse Nervosität steigert sich am Vorabend unserer Abreise. Klappt alles mit der Reise? Haben wir alle Dokumente um mit dem medizinischen Zeugs in Dar-es-Salaam problemlos durch den Zoll zu kommen? Wen treffen wir in Dar? Vielleicht den einen oder anderen Medizinstudenten, welcher von uns unterstützt wird? Wann erreichen wir den Songwe Airport in Mbeya nach den 24h Reise? Empfangskomitee?
Mehr können wir nicht mehr vorbereiten. Malarone ist eingenommen und Gepäck abgewogen und gut verteilt. Was ist speziell an diesem Einsatz? Vielleicht folgendes:
Mit Walti Dorn kommt zum ersten Mal ein Pädiater mit. Ein langjähriges Ziel von uns. Sind wir uns doch alle einig, dass in erster Linie in die Kinder investiert werden sollte. Nicht nur in Ifisi. Weiter ist mit Martin Hinnen unser Mann für die Radiologie von der Medizinaltechnik mit dabei, er nimmt gleich seine beiden Jungs Sandro und Tim mit (13 und 11 jährig), damit sie einmal sehen können, wieso es ihren Vater immer wieder nach Ostafrika zieht. Ruth, die Ehefrau von Walti dem Pädiater, ist auch zum ersten Mal dabei, als Lehrerin wird sie eine ganz andere Sicht auf unser Projekt und die Region haben. Für alle anderen (Ruedi Meier Technik, Silvia Eggli Markteinkauf, Mariele Keller Gynäkologie, Markus Kaiser Kardiologie/Innere Medizin, Martin Krajewski Unfallchirurgie und Stefan Christen Kardiologie/Innere Medizin) ist es ja schon fast Routine. Obgleich: Das dachten wir auch beim letzten Einsatz im letzten Oktober und bei vielen anderen Einsätzen. Wir sind offen für alles Neue. Speziell ist vielleicht auch noch, dass fast alle lokalen Muzungus (Schweizer Expats) aktuell nicht vor Ort sind aus verschiedenen Gründen. Das öffnet vielleicht die eine oder andere neue Tür.
Wir sind auch hier offen und sehr gespannt.
Einsatz Mai 2026
Das Team ist Startklar am 13. Mai 2026 gehts los ...